Fröhlicher Abschied mit nur ein paar Tränen

Raiba-Vorstandssprecher Hans Kircher launig in die Altersteilzeit verabschiedet

Fast sind Hans Kircher die vielen Lobreden schon peinlich. „Ich hab doch nur mein Sach’ g’schafft“, meint er zum Schluss des zumindest etwas offizielleren Aktes seiner Verabschiedungsfeier.

„Das ist auch leichtsinnig, es soll schon mal einer gesagt haben: Ich seh’s ein, es geht ohne mich nicht“, fügt er augenzwinkernd hinzu. Muss und wird es aber. Am Freitagabend wurde der Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Bretzfeld-Neuenstein mit einem launigen Fest in die Altersteilzeit verabschiedet. Festtagsmenü eines Sternekochs, Herren in Smoking  und Damen in Abendkleid, lange Reden – das alles wollte Kircher nicht. Lieber eine Gemeindehalle, bürgerliches Essen vom Metzger und krawattenfreie Zone, alles mit persönlicher Note, das passt besser zu dem 63-Jährigen, auch nach 38 Jahren bei der Raiba Bretzfeld und nach 28 Jahren als Vorstand.

„Er war der richtige Mann am richtigen Platz“, befindet Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Ulrich Vogtmann und zitiert ihn mit den Worten: „Meine Aufgabe ist es nur, dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter jeden Morgen gern zur Arbeit kommen.“

Das scheint der Fall zu sein, denn sonst hätten sie wohl kaum extra eine Raiba-Band gegründet, die ihm singend und lachend frei nach dem Hit „Skandal im Sperrbezirk“ mit auf den Weg gibt: „In Bretzfeld steht ein Bankhochhaus, doch alte Bänker müssen raus, damit in dieser schönen Stadt, das Alter keine Chance hat.“ Eine lustige Präsentation und einen Gutschein für einen Tandemsprung gibt es obendrauf, und seiner Sekretärin Marika Schliep kommen dann beim Abschied doch die Tränen.

„Keine Sekretärin lässt gerne einen so guten Chef gehen und das nach fast 20 Jahren Arbeitsehe, in denen es nur zwei Mal so richtig gekracht hat.“ Ein bisschen offiziell muss aber auch sein. Gerhard Hinterberger von der Bausparkasse Schwäbisch Hall schickt dem „Bausparbotschafter“ eine Videobotschaft, Gerhard Schorr, Direktor des baden-württembergischen Genossenschaftsverbandes, hebt die lupenreine genossenschaftliche Karriere hervor. Kircher sei ein Treiber und Macher, dem der Schalk im Nacken sitzt.

Bretzfelds Bürgermeister Martin Piott befindet für Kircher und seine Frau Regina: „Ihr seid  uns die liebsten Pfedelbacher überhaupt.“ Weil er sich in Bretzfeld auf so vielen Ebenen engagiert habe, viel zur Entwicklung beigetragen habe, bekommt Kircher die Verdienstmedaille in Silber.

„Damit geht nicht nur eine lebenslange freie Fahrt in allen U-Bahnen in Bretzfeld einher, sondern auch die Verpflichtung, gutgelaunt auf möglichst viele Veranstaltungen zu kommen“, fügt Piott augenzwinkernd hinzu. Und dann bekommt der Fast-Rentner von Aufsichtsrat und Vorstand einen alten Schlepper geschenkt, und das begeistert ihn genauso wie seine  anwesenden Enkel. „Ich bin stolz, Chef einer so tollen Mannschaft gewesen zu sein“, meint Hans Kircher zum Abschied.